Wow...die letzten beiden Workshop Tage waren extrem lang, intensiv, berührend, traurig und freudvoll. Daher ist es uns auch leider nicht gelungen, den Blog in den letzten beiden Tagen zu aktualisieren. Aber jetzt gibt es das lang erwartete Update unserer Reise. Sonntag war ein Tag an dem wir wieder erfahren konnten, wie wir als Deutsche hier doch eine große Attraktion darstellen, an der möglichst viele Teil haben wollen. So gab es vormittags nur eine kleine Session in unserem klimatisierten Workshopraum.

Danach ging es raus zu unseren Vans - ihr wisst bescheid ;-) Nun ging es für rund eine Stunde durch die sengende Mittagshitze zu zwei hiesigen Secondary Schools - eine reine Mädchenschule und eine Jungenschule. In beiden Schulen wurden wir sehr herzlich willkommen geheißen und mit kleinen Snacks, Tänzen und Gesängen verwöhnt. Wie tief die Bengalen durch unseren Besuch berührt sind, konnten wir an einer sehr emotionalen und ergreifenden Rede des bengalischen Englischlehrers erfahren. Dabei ging die Rede teilweise in der Geräuschkulisse unter, denn an den offenen, mit Gittern versehenden Fenstern versammelten sich Scharen von Schülern, welche alle einen Blick auf die "Bideschi" (Ausländer) werfen wollten. Erst das Aufstellen einer "Wache" mit Stock in der Hand brachte etwas Ruhe. Einen bleibenden Eindruck machte hier sicherlich auch, dass die Schüler teilweise durch Schläge auf den Rücken bzw. durch das Ziehen an den Ohren von den Fenstern weg geschickt wurden.

Zwar wurde uns dies am zweiten Workshoptag von unseren bengalischen Freunden beim Austausch über die verschiedenen Schulsysteme gesagt - aber diese Form der Bestrafung mit eigenen Augen zu sehen war nochmal etwas völlig anderes.

Ferner hatten wir in den Schulen die Gelegenheit, uns mit den Schülern zu unterhalten, welche an den Menschenrechtsprogrammen von ASK teilnehmen. Innerhalb dieser Gruppen werden Theaterstücke, Lieder, Collagen oder Wandzeitungen erstellt, welche sich mit der Menschenrechtssituation im Land beschäftigen. Theaterstücken kommt hier eine besondere Bedeutung zu, denn ein Großteil der ländlichen Bevölkerung kann weder lesen noch schreiben, was die Aufklärungsarbeit äußerst schwierig gestaltet. Theaterstücke bzw. Lieder verstehen jedoch alle...
Nach diesen beiden Besuchen ging es erneut durch die brütende Hitze per Van zurück zu GUK. Ein wundervolles Bild auf den kulturellen Reichtum in Bangladesch erhielten wir dann am Abend. GUK hatte für uns einen Abend mit traditionellen Tänzen und Gesängen organisiert - samt großer Bühne und Musikanlage.

Aber auch wir nutzten die Gelegenheit ein paar deutsche Lieder und die mit diesen verbundenen Traditionen ("Ich geh mit meiner Laterne", "Sankt Martin") aufzuführen. Hierfür bastelten wir uns auf die Schnelle ein paar Laternen aus Plastikflaschen und unsere kreative Rosa stellte ein Stockpferd her.

Auf diesem Ritt sie dann zu unserem Gesang über die Bühne und reichte Arne – dem armen Bettler – ein Mantelteil. Einen bleibenden Eindruck bei den bengalischen Besuchern hinterliess sicherlich auch der Auftritt von Julia und Christina, welche ihren bereits am Musikabend am MEG aufgeführten Spitzentanz den hiesigen Bedingungen (Teppiche und Lehmboden) anpassten und präsentierten.

Auch hier war dieser ein großer Erfolg! Etwas verstörend auf uns wirkte, dass in kürzester Zeit nach der letzten Aufführung sich der gesamte mit Teppichen ausgelegte Platz gelehrt hatte. Dennoch blieb uns die Zeit einige Gespräche mit Tänzern und Veranstalter zu führen - bevor wir wieder völlig übermüdet in unsere Betten vielen.

Auch der nächste Tag begann wieder sehr früh und sollte Abschluss und Höhepunkt des Austausches sein. Hier nun erhielten wir die Gelegenheit uns über die mitgebrachten Bilder auszutauschen. Dies war wieder eine sehr intensive und aufschlussreiche Runde. Besonders emotional und tiefgreifend berührend wurde es dann in der abschliessenden Feedbackphase, in welcher wir unsere Erfahrungen, Gefühle und Eindrucke über das Land, die Leute und speziell unsere jungen bangladeschischen Workshoppartnern zum Ausdruck brachten. Diese Reflektion zeigte uns, wie sehr sich unsere Vorstellungen innerhalb der letzten sechs Tage bereits geändert hatten. Der Workshop stand unter dem Titel: Rhein-Jarmuna Brücke: Brechen von Vorurteilen und genau dies hat der Workshop auch bei uns bewirkt. Keiner von uns konnte die Träne beim Abschied verkneifen. Wie sehr die Freundschaft geknüpft wurde, werden die nächsten e-mails, sms, Telefonate und Briefe zeigen. Bis spät in die Nacht arbeiteten wir an Gastgeschenken um unseren bengalischen Freunden noch ein persönliches Abschiedsgeschenk zu geben. Die Farben der Bänder waren Orange (für die Freude, die wir zusammen bei dem Workshop erlebten), Grün ( für die Hoffnung, dass wir uns irgendwann mal wiedersehen und mit unserem Austausch etwas bewegen können) und Schwarz (für die Trauer dass der Workshop so schnell vorübergegangen ist).
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
AntwortenLöschenHi zusammen,
AntwortenLöschenich finde es toll hier reglmäßig Updates von euch lesen zu können. Den Blog habe ich mir für die 2 Wochen auch direkt als Startseite eingestellt.
Besonders die Bilder (Felix beim Essen usw.^^) finde ich ziemlich interessant.
Ich wünsche euch noch einen tollen Aufenthalt!
Gruß an alle!
Ciao,
Niklas