Mittwoch, 21. Oktober 2009

Rückreise



Das war eine kurze Nacht! Schon um 6.00 Uhr hieß es raus aus den Betten, die letzten Utensilien in den Koffern verstauen und kurz frühstücken. Unsere beiden Busfahrer, die uns nach Gaibandha und Joypurhat gefahren hatten, brachten uns auch dieses eine letzte Mal zum Flugplatz. Wir hatten vorsichtshalber 1 Stunde mehr für die Fahrt zum Flughafen eingeplant, was im nach hinein sich als äußerst knapp erwies. Denn wie immer in Dhaka, standen wir im Stau. Nur die Bahn hatte freie Fahrt. Dieses Bild mit Menschentransport auf den Waggondächern hatten wir schon öfter gesehen. Auch auf den Busdächern oder einfach auf LKW-Ladungen hockten die Bengalen und ließen sich nicht von der Fahrgeschwindigkeit oder dem Fahrtwind abschrecken. Die Zeit lief. Werden wir es pünktlich schaffen? Nun, wir haben es geschafft, aber so knapp, dass die Verabschiedung von Agata sehr kurz, aber herzlich und mit Tränen in den Augen ausfiel. Das Einchecken brauchte viiiiiieeeel Zeit – wie immer! Ruhe bewahren, wird schon! Das sind eben die Bengalen. Sie handeln oft nach dem Prinzip: komm ich heut’ nicht, komm ich morgen.
Der Flug wurde größtenteils verschlafen oder mit Videos ansehen, Musik hören, essen und trinken verbracht. Die Flugzeit ist halt lang und auf der Rückreise hatten wir beim Transfer in Dubai keine Zeit zum Shoppen in Duty-Free Läden oder zum Kaffee trinken.
In Düsseldorf angekommen, wurden wir mit Sekt und Brezeln empfangen. Alle waren froh! Die einen, dass wir wieder heile in Deutschland angekommen sind und die anderen, die Familie und Freunde wieder zu sehen, deutsche Ordnung, Verlässlichkeit, “Wohlstand“ und Essen genießen zu dürfen. Eine Reise war zu Ende. Eine Reise, die uns so viele Eindrücke beschert hat, dass wir wahrscheinlich gar nicht wissen werden, womit wir beim Erzählen anfangen sollen.

Montag, 19. Oktober 2009

Der letzte Tag in Bangladesch


Auch unser letzter Tag hier in Bangladesch wurde zu einem ausgiebigen Shopping-Tag.
Aber zuerst stand ein Besuch im NETZ-Office an. Dort erfuhren wir viel über die Arbeit von NETZ und die unterschiedlichen Projekte. Außerdem reflektierten wir unsere gesamte Reise mit Manfred Krüger und einigen anderen NETZ Mitarbeitern.
Danach fuhren wir, wie bei unserem ersten Aufenthalt in Dhaka, zum New Market und kauften erneut einige Kleinigkeiten für unseren Basar ein. Doch auch für uns konnten wir viele Mitbringsel ergattern und besonders Felix entdeckte den Spaß am Shoppen. Seine Taschen waren überfüllt mit Einkäufen aller Art.
Dann ging es weiter zum größten Shopping-Center Südasiens, wo wir eine große Auswahl an Geschäften hatten, die sich über 8 Etagen erstrecken.









Nachdem wir unsere Einkäufe erledigt hatten, fuhren wir in ein edles Restaurant, um mit einigen deutschen und bangladeschischen Bekannten zu Abend zu essen.
Nun sitzen wir als Gruppe zusammen im Gästehaus und genießen den letzten Abend zusammen in Bangladesch.
Morgen heißt es für uns früh aufstehen, da wir nach bangladeschischer Zeit um 11.15Uhr losfliegen. Nach deutscher Zeit landen wir um 19.40Uhr in Düsseldorf.
Wir verlassen Bangladesch mit einem lachenden und einem weinenden Auge und sind stolz, dass wir an diesem Austausch teilnehmen konnten.
Bis morgen Abend zurück in Deutschland, eure Bangladesch-Truppe.




Arne, Felix, Julia und Eva lost in Dhaka


Shoppen ohne Ende!!!
Nach dem Frühstück gingen wir gestärkt auf die große Einkaufstour. Mit etlichen Takas im Brustbeutel fuhren wir von einem Einkaufszentrum zum nächsten, immer mit Blick auf private Andenken, Kleidungsstücke, Mitbringsel und nicht zuletzt für Sachen, die wir auf einem Bazar in unserer Schule verkaufen möchten. Ja, ihr lest richtig: noch vor Weihnachten könnt ihr euch die tollsten Weihnachtsgeschenke an unserem bangladeschischen Stand kaufen. Natürlich werden wir die Sachen mit einem Gewinn verkaufen, um anschließend wieder der Organisation Netz Geld zur Unterstützung der hiesigen Projekte zukommen zu lassen. Dennoch werden die Preise sicherlich für euch annehmbar sein.
Und so ereignete sich auf dieser großen Einkaufstour, dass sowohl Julia und Felix in der einen Rikscha als auch Arne und Eva in der anderen plötzlich allein im Trubel des Verkehrs saßen. Von der anderen Straßenseite winkte Daniel Karsch uns noch lächelnd zu. Das Problem allerdings bestand darin, dass er genau in die andere Richtung fuhr und unsere Rikschafahrer nicht einfach drehen konnten, sondern im Verkehr festsaßen. Ja, da thronten wir also hilflos in unseren Rikschas:

- Verständigung in Bangla? - not possible!
- Die anderen Anrufen? - not possibel, keine Takas mehr auf dem Handy!
- Das Einkaufszentrum dem Rikschafahrer sagen? – not possibel , da unbekannt!























Also Ruhe bewahren und zumindest zu Viert zusammenbleiben. Die Rikschafahrer strampelten sich ab und irgendwann klingelte das Handy. Gott sei Dank! Die anderen hatten inzwischen auch unseren Verlust bemerkt und riefen an. Da Agata perfekt Bangla spricht, wurde das Handy ohne zu zögern dem Rikschafahrer gereicht. Zehn Minuten später wurden wir mit einem lauten Halli und Hallo begrüßt. Die Shoppingtour nahm ihren weiteren Verlauf.
Müde Füße, knurrender Magen, aber glücklich über den guten Einkauf fuhren wir zurück zu unserer Unterkunft. Dort war bereits für uns gekocht worden und zu unserer Überraschung standen auch gekochte Kartoffeln auf dem Tisch.“Yeah! Ich mach Bratkartoffeln!“ Schon hatte Rosa das Messer in der Hand und Christina bereitete die Spiegeleier zu. Ein einziger Festschmaus! Inzwischen träumen wir von Bratwurst, Leberwurstbrot, Rotkohl, Vollkornbrot, Goudakäse ...Also nun wisst ihr ja, womit ihr uns eine Freude bereiten könnt.

Sonntag, 18. Oktober 2009

Spiel und Spaß mit den Kindern unserer Partnerschule


Heute sollte also tatsächlich der vorletzte offizielle Programmpunkt unserer Reise sein?! Das ist kaum vorstellbar, ist doch die Zeit wie im Flug vergangen. Nach einem fast europäischem Frühstück mit Fladenbrot, hart gekochtem Ei, Marmelade oder Cornflakes fuhren wir voller Erwartung zu unserer Partnerschule. Noch einmal dieses satte Grün der Landschaft genießen! Noch einmal die Rikschafahrer mit ihren verschiedensten Ladungen bewundern: ob Menschen, ob Hühner, ob Bananen oder Gelbwurz, ob Tontöpfe oder Bambusstangen. Wie immer sahen wir geschäftiges Treiben an den kleinen aus Holz oder Wellblech gebauten Straßenläden Jeder Blick aus dem Autofenster wird intensiv wahrgenommen und schon fast mit einem leidvollen Bedauern, dass spätestens in der Metropole Dhaka dieses Bild Bangladeschs vorbei ist, innerlich aufgesogen.
Bepackt mit den Materialien für unsere Spielstationen ziehen wir an Reis- und Auberginenfelder vorbei zur Partnerschule. Schuhe aus!!! Chaos vor der Schultür! Können denn die Deutschen ihre Schuhe nicht genau so ordentlich hinstellen wie die bengalischen Kinder, also im Kreis?! Fast 2 Stunden spielen wir mit ihnen. Da wir so viele Sachen von unseren 5-ten und 6-ten Klassen erhalten hatten, haben wir uns Stationen überlegt, die die Kinder in Kleingruppen nacheinander besuchten:
- Würfelspiele/Brettspiele
- Memory
- Malen mit Wasserfarben
- Malen mit Wachsmalstiften und Filzstiften /Zauberlineale
- Fadenspiele/ Strickliesel
- Schminken / Tatoos
- Scooby Doo (Flechten von Kordeln und Armbändern)
- Gummitwist und andere Spiele
- Steckbrief einer 6-ten Klasse
- Polaroid-Fotoaufnahmen

























Nach kurzer Zeit liefen bengalische Indianer, Prinzessinnen und Piraten durch den Klassenraum. Ihre gemalten Bilder hoffen wir unversehrt mit nach Deutschland bringen zu können. Eure (MEG) gespendeten Sachen haben großen Anklang gefunden und liegen nun gut sortiert neben dem kleinen Schränkchen im Klassenraum. Eure Texte (MEG) und das Klassenfoto sowie das selbst gemalte Bild hängen über der Tafel, sichtbar für alle Schulkinder.
Zum Abschluss wurde für unsere Gruppe wieder getanzt. Wie üblich, saßen wir wie kleine Könige auf den einzigen Stühlen im Dorf, schön aufgereiht unter Tüchern als Sonnenschutz. Die Stimmung war fröhlich und ausgelassen und selbst die Männer des Dorfes trugen nach einer kurzen internen Diskussion zum Gelingen des Festes bei. Sie kamen mit Musikinstrumenten auf die Tanzfläche und zeigten einen Tanz, der uns nach kurzer Zeit animierte, mitzutanzen. Na, ja, wir tanzten so gut wie es ging, denn die Schrittfolge wechselte sehr schnell und kaum hatten wir die eine begriffen, da fing auch schon die nächste an. Aber das war egal. Es zeigte die gute Stimmung und den persönlichen Kontakt, den wir in der kurzen Zeit geknüpft hatten und der noch hoffentlich lange in Erinnerung bleibt. Those funny Germans!

Dann hieß es aber wirklich Abschied nehmen. Wir waren durchgeschwitzt und fühlten uns so richtig „schmandig“ (naß, klebrig) – eigentlich wie immer. Zurück im Quartier wurde schnell gegessen und gepackt, dann ging es auf eine 7-stündige „Heimreise“ nach Dhaka.
Was kann man sich doch schnell an die hiesigen Fahrgewohnheiten gewöhnen! Auf der Fahrt von Dhaka nach Gaibandha saßen wir schreiend im Kleinbus (vgl. Foto von Corinna). Jetzt saßen wir völlig gechillt und relaxed, I-Pod hörend, Buch lesend oder einfach die Fahrt genießend im Auto.
Morgen, in Dhaka, werden wir dann wohl unsere große shopping-tour unternehmen.

Freitag, 16. Oktober 2009

Weltkulturerbe Parhapur


Da der gestrige Tag wieder etwas anstrengender war und wir spät noch eine Reflexionsrunde mit Manfred angesetzt hatten, konnten wir unseren "Freien Tag" nutzen, um etwas länger zu schlafen. Nach dem Frühstück warteten wir dann auf Shoma, um zum "Parhapur Musuem" zu fahren. Auf dem Weg dorthin haben wir noch Sultana, ebenfalls eine Workshoppartnerin von uns, und ihre Schwester abgeholt. Die Fahrt war wieder einmal sehr holprig und, wie in den letzten Tagen auch, benötigten wir viel Wasser, da die Sonne immer noch sehr stark und warm von oben auf uns herunter schien. Als wir aus dem Auto stiegen, versammelte sich wie üblich eine kleine Menschenmenge um uns und uns wurde sofort ein Sonnenschirm angeboten, den wir aber dankend ablehnten. Nachdem wir den Eintritt bezahlt hatten (Bangladeschi: 10 Taka = 10 Cent, Bideschi (Ausländer): 100 Taka = 1 Euro) und wir durch ein kleines Tor zum Museumseingang schreiten wollten, bemerkten wir, dass die Musuemstür noch verriegelt war. Also entschlossen wir uns zuerst den "Mountain", wie Shoma ihn nannte (ein früherer buddhistischer Tempel), zu erklimmen, um ein paar schöne Fotos zu schießen.













Auf dem Weg dorthin kamen wir an einem kleinen Jungen vorbei, der den Besucher Erdnüsse verkaufte. Hier zeigte sich, wie verbreitet die Vorurteile gegenüber den "reichen Weißen" sind, da er uns bereits in seinem Alter die Erdnüsse, die ein Einheimischer für 10 Taka bekam, für 100 Taka verkaufen wollte.
Als wir dann wieder am Museumseingang ankamen, war die Türe immer noch verschlossen und erst nach einer Weile konnten wir endlich eintreten. Da zeigte sich mal wieder die bangladeschische (Un)pünktlichkeit. Im Museum waren sehr viele buddhistische Ausgrabungen ausgestellt, da wir es jedoch sehr eilig hatten, uns mit einem Schokoeis zu erfrischen, waren wir schnell mit dem Besichtigen der Ausstellung fertig. Danach teilten wir uns in zwei Gruppen auf: Die erste fuhr zurück in unser Ashroi-Quartier und die zweite weiter, um
den nächsten Tempel zu besichtigen. Abends trafen wir uns im Quartier wieder, um gemeinsam Shoma und ihre Familie zu besuchen. Dort wurden wir herzlich begrüßt und bekamen leckere Speisen aufgetischt. Außerdem wurde noch für uns gesungen. Als Gegenleistung sangen wir wie immer "Bruder Jakob" und das bangladeschische Lied "Amra Sabai Raja". Zum Schluss bekamen wir noch Shomas jahrelangen heimlichen Freund zu Gesicht. Ihn musste sie in einem nahegelegen, dunklen Wäldchen abholen und konnte ihn nur mithilfe einer erfundenen Geschichte das erste Mal zu sich mit nach Hause nehmen. Zurück bei Ashroi gab es das übliche Abendessen (Reis mit Dal und Fisch) und jetzt machen wir uns fertig für die letzte Nacht
in Joypurhat.

Besuch unserer Partnerschule Rupapur


Was für ein Tag!Er begann mit Haferflocken, Cornflakes und Milch. Naja, zumindest Wasser mit Milchpulver und Klümpchen.Um 10:30 Uhr konnten wir uns (pünktlich!) auf den Weg machen, unsere Partnerschule im Dorf Rupapur zu besuchen. Dieses Dorf liegt so abseits, dass die Hinfahrt schon ein Abenteuer war: Von der holprigen Straße und einem breiteren Feldweg bis hin zu einem Trampelpfad mit dem Auto! Trotzdem kamen wir unversehrt an.Unsere Partnerschule besteht aus einem aus Lehm gebauten einklassigen Häusschen, das von innen mit bunten selbstgemachten Girlanden und Wandmalereien verziert ist. Alle Kinder saßen brav auf dem mit Strohmatten ausgelegten Lehmboden; vor ihnen ihre nach Größe sortieren Schulhefte und –bücher. Große Augen starrten uns an. Wir setzten uns zwischen die Schüler und stellten uns nacheinander vor. Mithilfe von unseren Dolmetschern konnten wir interessante Fragen klären und einen ersten Kontakt mit den 19 Grundschülern aufbauen. Sie alle befinden sich im dritten Schuljahr, wenngleich sie auch unterschiedlichen Alters sind (8-14 Jahre). Wir konnten sogar eine Unterrichtsstunde im Fach Englisch beobachten, in der die Kinder verschiedene Wörter schreiben und buchstabieren mussten.Wir überreichten ein persönliches Geschenk – ein selbst gemaltes Bild einer Schülerin des MEG, sowie die Texte zu unserer Schule – und bekamen als Dankeschön verschiedene Tänze und Lieder, sowohl in Bangla, als auch in Orao (ihrer eigenen Sprache als ethnische Minderheit) dargeboten. In Kleingruppen sahen wir uns anschließend sogar die Familien und Häuser der Kinder an und sprachen und spielten mit ihnen. Jeder wollte einmal fotografiert werden und die glücklichsten Gesichter sahen wir, als sie das Foto in der Digitalkamera wiedererkennen konnten. Zufällig hatten wir kleine Wackelbildchen dabei, die wir an die Kinder verteilten. Alle Hände streckten sich uns entegegen, denn jeder wollte eins ergattern.



Dabei beließen wir es heute, da wir am Samstag einen zweiten Besuch dieser Parnterschule geplant haben, an dem wir mit den Kindern gemeinsam singen, spielen und tanzen werden. Eigentlich waren wir alle nach der holprigen Rückfahrt erschöpft, ließen uns aber nicht die Gelegenheit nehmen, ohne Begleitpersonen in die nahegelegene Innenstadt von Joypurhat zu gehen und die Läden zu erkunden. Da wir jetzt alle sogar heile wieder zurückgekommen sind, können wir uns frisch machen für den heutigen anstehenden kulturellen Abend der für Manfred Krüger, Vorsitzender und Mitbegründer von NETZ, (soeben hier eingetroffen) veranstaltet wird. Begleiten werden uns außerdem zwei Workshoppartnerinnen, die in der Nähe wohnen. So können wir noch einmal unseren Kontakt vertiefen.





























Übrigens – zu einer üblichen Redewendung in unserer Gruppe und allen Workshoppartnern, die wir kennen, ist folgendes geworden:„Was geht ab?“- „Läuft!“

Donnerstag, 15. Oktober 2009

Joypurhat Tag 2: Ein Leben lang genug Reis


Nach einer etwas längeren, erholsamen Nacht in unserem Quartier, bekamen wir nach dem Frühstück einen Einblick in die Arbeit von ASHROI (Action to Safeguard Human Rights Of the Indigents). ASHROI ist eine hiesige NGO mit der NETZ an einigen Projekten zusammenarbeitet. Von besonderem Interesse für uns war dabei das IFSUP (Income and Food supply for ultra poor) Projekt. Dabei handelt es sich um das von unserer Schule unterstützte Projekt: Ein Leben lang genug Reis. Nach einer etwas trockenen, theoretischen Einführung und einer kurzen Diskussion im Anschluss hatten wir die Gelegenheit uns unser unterstütztes Projekt „Live und in Farbe“ anzugucken.
Also raus in die Vans (diesmal wirkliche Vans!) und los ging es. Nach zwanzig minütiger Fahrt über holperige Straßen erreichten wir das Dorf. Dort wurden wir erneut überaus freundlich begrüßt und wohnten einer Versammlung jener Frauen bei, welche vom IFSUP-Projekt unterstützt werden. Dank der Hilfe von Agata konnten wir uns mit diesen Frauen über die Organisationsstrukturen, ihre Ängste, ihre Hoffnungen, ihre Träume und die bereits erreichten Ziele austauschen. Hier wurde jedem von uns ganz klar, dass die am MEG geleistete Arbeit zur Unterstützung dieser extrem armen Familien ganz wichtig ist und wir hier auch schon einiges bewirkt haben! Nach diesem Austausch nutzten wir die Gelegenheit und begleiteten einige der Frauen zu ihren Häusern und Familien. Spätestens hier erhielt der Begriff „Armut“ für uns alle eine neue Dimension – Eltern, Kinder und das Vieh teilen sich des Nachts einen kleinen Raum. Besonders beeindruckend war jedoch auch die Gastfreundschaft der Familien, ihre Zufriedenheit, das Zusammengehörigkeitsgefühl der Dorfgemeinde und der Wille der Eltern ihren Kindern durch Bildung eine bessere Zukunft zu sichern. In diesem Lichte erschien uns unser hiesiges Quartier schon wieder luxuriös und auch unser Leben in Deutschland wurde in ein vollkommen neues Licht gerückt. Abends erfolgte dann nochmal ein Austausch über die erlebten Erfahrungen, bevor wir müde auf unsere Pritschen fielen.

Dienstag, 13. Oktober 2009

Joypurhat: Tag 1


Nachdem die gestrige Nacht erneut sehr kurz ausgefallen ist, nutzten wir die Zeit heute, um etwas länger zu schlafen, denn unsere bengalischen Freunde brachen erst gegen 10 Uhr auf. Auch hier wurde erneut die eine oder andere Träne vergossen. Wir hingegen hatten noch zwei Stunden vor Ort, denn die Abfahrt nach Joypurhat war erst für 12 Uhr geplant. Deswegen konnten wir uns noch ein bisschen entspannen und mit einer dreistündigen Verspätung ging es dann auch um 15.00 Uhr los – bengalische Pünktlichkeit wie immer.Die Fahrt dauerte ungefähr drei Stunden, dann kamen wir in unserer Unterkunft in Joypurhat an. Hier begriffen wir erst, was wir in Gaibandha für einen Luxus erlebt haben, da hier der bengalische Standard herrscht. Die Bilder sprechen hier wohl für sich. Das Abendessen bot zur unserer Überraschung: lecker gebratene Zucchinischeiben und mild gewürztes Kartoffelgemüse. Wir sind also wieder gut gelaunt und freuen uns auf die kommenden Tage. So werden wir unter anderem Einblick erhalten in das von unserer Schule unterstützte Netz-Projekt: Ein Leben lang genug Reis und auch unsere Partnerschule besuchen.
Für alle, die bei Google Earth daran teilhaben wollen, wo wir uns aufhalten: die Koordinaten von Joypurhat sind N 25°06'20,2'' E 089°00'53,4''

Impressionen unserer Unterkunft...








Workshop Abschluss...


Wow...die letzten beiden Workshop Tage waren extrem lang, intensiv, berührend, traurig und freudvoll. Daher ist es uns auch leider nicht gelungen, den Blog in den letzten beiden Tagen zu aktualisieren. Aber jetzt gibt es das lang erwartete Update unserer Reise. Sonntag war ein Tag an dem wir wieder erfahren konnten, wie wir als Deutsche hier doch eine große Attraktion darstellen, an der möglichst viele Teil haben wollen. So gab es vormittags nur eine kleine Session in unserem klimatisierten Workshopraum. Danach ging es raus zu unseren Vans - ihr wisst bescheid ;-) Nun ging es für rund eine Stunde durch die sengende Mittagshitze zu zwei hiesigen Secondary Schools - eine reine Mädchenschule und eine Jungenschule. In beiden Schulen wurden wir sehr herzlich willkommen geheißen und mit kleinen Snacks, Tänzen und Gesängen verwöhnt. Wie tief die Bengalen durch unseren Besuch berührt sind, konnten wir an einer sehr emotionalen und ergreifenden Rede des bengalischen Englischlehrers erfahren. Dabei ging die Rede teilweise in der Geräuschkulisse unter, denn an den offenen, mit Gittern versehenden Fenstern versammelten sich Scharen von Schülern, welche alle einen Blick auf die "Bideschi" (Ausländer) werfen wollten. Erst das Aufstellen einer "Wache" mit Stock in der Hand brachte etwas Ruhe. Einen bleibenden Eindruck machte hier sicherlich auch, dass die Schüler teilweise durch Schläge auf den Rücken bzw. durch das Ziehen an den Ohren von den Fenstern weg geschickt wurden. Zwar wurde uns dies am zweiten Workshoptag von unseren bengalischen Freunden beim Austausch über die verschiedenen Schulsysteme gesagt - aber diese Form der Bestrafung mit eigenen Augen zu sehen war nochmal etwas völlig anderes.
Ferner hatten wir in den Schulen die Gelegenheit, uns mit den Schülern zu unterhalten, welche an den Menschenrechtsprogrammen von ASK teilnehmen. Innerhalb dieser Gruppen werden Theaterstücke, Lieder, Collagen oder Wandzeitungen erstellt, welche sich mit der Menschenrechtssituation im Land beschäftigen. Theaterstücken kommt hier eine besondere Bedeutung zu, denn ein Großteil der ländlichen Bevölkerung kann weder lesen noch schreiben, was die Aufklärungsarbeit äußerst schwierig gestaltet. Theaterstücke bzw. Lieder verstehen jedoch alle...
Nach diesen beiden Besuchen ging es erneut durch die brütende Hitze per Van zurück zu GUK. Ein wundervolles Bild auf den kulturellen Reichtum in Bangladesch erhielten wir dann am Abend. GUK hatte für uns einen Abend mit traditionellen Tänzen und Gesängen organisiert - samt großer Bühne und Musikanlage. Aber auch wir nutzten die Gelegenheit ein paar deutsche Lieder und die mit diesen verbundenen Traditionen ("Ich geh mit meiner Laterne", "Sankt Martin") aufzuführen. Hierfür bastelten wir uns auf die Schnelle ein paar Laternen aus Plastikflaschen und unsere kreative Rosa stellte ein Stockpferd her. Auf diesem Ritt sie dann zu unserem Gesang über die Bühne und reichte Arne – dem armen Bettler – ein Mantelteil. Einen bleibenden Eindruck bei den bengalischen Besuchern hinterliess sicherlich auch der Auftritt von Julia und Christina, welche ihren bereits am Musikabend am MEG aufgeführten Spitzentanz den hiesigen Bedingungen (Teppiche und Lehmboden) anpassten und präsentierten. Auch hier war dieser ein großer Erfolg! Etwas verstörend auf uns wirkte, dass in kürzester Zeit nach der letzten Aufführung sich der gesamte mit Teppichen ausgelegte Platz gelehrt hatte. Dennoch blieb uns die Zeit einige Gespräche mit Tänzern und Veranstalter zu führen - bevor wir wieder völlig übermüdet in unsere Betten vielen.

Auch der nächste Tag begann wieder sehr früh und sollte Abschluss und Höhepunkt des Austausches sein. Hier nun erhielten wir die Gelegenheit uns über die mitgebrachten Bilder auszutauschen. Dies war wieder eine sehr intensive und aufschlussreiche Runde. Besonders emotional und tiefgreifend berührend wurde es dann in der abschliessenden Feedbackphase, in welcher wir unsere Erfahrungen, Gefühle und Eindrucke über das Land, die Leute und speziell unsere jungen bangladeschischen Workshoppartnern zum Ausdruck brachten. Diese Reflektion zeigte uns, wie sehr sich unsere Vorstellungen innerhalb der letzten sechs Tage bereits geändert hatten. Der Workshop stand unter dem Titel: Rhein-Jarmuna Brücke: Brechen von Vorurteilen und genau dies hat der Workshop auch bei uns bewirkt. Keiner von uns konnte die Träne beim Abschied verkneifen. Wie sehr die Freundschaft geknüpft wurde, werden die nächsten e-mails, sms, Telefonate und Briefe zeigen. Bis spät in die Nacht arbeiteten wir an Gastgeschenken um unseren bengalischen Freunden noch ein persönliches Abschiedsgeschenk zu geben. Die Farben der Bänder waren Orange (für die Freude, die wir zusammen bei dem Workshop erlebten), Grün ( für die Hoffnung, dass wir uns irgendwann mal wiedersehen und mit unserem Austausch etwas bewegen können) und Schwarz (für die Trauer dass der Workshop so schnell vorübergegangen ist).